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Neujahrsansprache

1. Januar 2018, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

Liebe Mitfeiernde, Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Jahr 2018! I wish you a happy new year 2018!

Eigentlich wissen wir: Es änderst sich nicht viel vom 31. Dezember auf den 1. Januar, denn wir werden über die Silvesternacht nicht einfach besser, auch die Welt wird es nicht. Was also erwarten wir von diesem Jahresübergang?

Diese Feierstunde hat uns um 23 Uhr bei unserer Angst abgeholt. Vieles in unserem Alltag ist durch Angst geprägt. Der Bauer in der ersten Sage hat Angst im Umgang mit dem, was er nicht erklären kann. In der zweiten Sage hat der Junge aus dem Entlebuch Angst um seinen Alltag: Wie es wohl seinen Ziegen ergeht, wenn er in Einsiedeln statt bei ihnen ist? Uns macht Angst, was wir nicht verstehen, nicht erklären können. Uns macht Angst, wie es mit unseren Nächsten weitergeht, mit unserer Arbeit, mit dem, was uns wichtig ist. Daneben macht uns die Umwelt Angst und die internationale Politik: Ob heute nur noch extreme Leute an die Regierung kommen?

Diese Feierstunde hat uns also bei unseren Ängsten abgeholt. Und in diese hinein sang Herr Heiri Kälin einen Betruf. Wer bei den eigenen Ängsten stehen bleibt, kann in ihnen ertrinken. Der Betruf hingegen befreit davon, singt von der Dankbarkeit, von der Dankbarkeit gegenüber Gott. Auch wer Sorgen und Angst hat, kann dankbar sein. Ohne Dankbarkeit gibt es kein Vertrauen. Dankbarkeit macht bescheidener. Und die Dankbarkeit macht uns offen für andere, ansonsten verschliessen wir uns in unseren Ängsten. Treffend hat der Schweizer Schriftstelle Jeremias Gotthelf dazu gesagt:

«Dank ist keine Erniedrigung, sondern ein Zeichen hellen Verstandes, welcher die Verhältnisse erkennt, und ein Zeichen eines guten Gemütes, welches der Liebe fähig ist. Denn wer nicht danken kann, kann auch nicht lieben.»

Der Betruf hat uns zur Dankbarkeit aufgerufen. Der Betruf ist eine Bitte an Gott, vom Bösen zu bewahren und zu schützen, was uns als Lebensgrundlage dient. Das hat uns also diese Feierstunde zum Jahreswechsel gebracht: Besinnung, das Aufhören im Kreisen um unsere eigenen Ängste und Dankbarkeit. Vermutlich haben wir uns in dieser Stunde nicht wahnsinnig verändert. Aber unser Herz ist vielleicht ein bisschen dankbarer und damit auch liebender geworden. Und das ist nicht wenig, sondern viel! Wünschen wir uns für das neue Jahr, dass viele Menschen, vor all auch Menschen in der Verantwortung in Politik, Wirtschaft und Kirche dankbarer und liebender werden. Das könnte die Welt mehr verändern als gute Reden, gescheite Kommentare und zynische Tweets!

Verlassen wir selbst nachher diese Kirche in der Haltung der Dankbarkeit und der Liebe, werden wir für andere ein Segen sein können. Und so beginnen wir nun auch das neue Jahr: mit einem Segen über uns selbst und über jene, die uns wichtig sind. Wie machen das Zeichen des Kreuzes, wenn wir dazu miteinander sprechen: im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Ich wünsche Ihnen nochmals ein gute, neues Jahr. Drücken wir nun unsere Dankbarkeit gegenüber Gott im Lied aus «Grosser Gott wir loben dich.»